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	<title>The Fretless Blog</title>
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	<description>fretless bloggin&#039; about life, music &#38; politics</description>
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		<title>Afrika-Reisetagebuch V: Mbeya</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Apr 2013 08:53:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannes Liechti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mbeya]]></category>
		<category><![CDATA[Tanzania]]></category>

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		<description><![CDATA[Reisebericht. Nach unserem kleinen Ausflug an den Malawi-See kehren wir für zwei weitere Tage ins Hochland nach Mbeya zurück. Am ersten Abend sind wir zu Gast bei einer Freundin unserer Gastgeberin. Diese ist um die 40 Jahre alt, hat einige Kinder und betreut ausserdem weitere Kinder von nahen Verwandten. So ist es in Tanzania üblich, hat man ein festes Einkommen, das die Betreuung der Kinder garantiert. Der Empfang ist herzlich. Wir setzen uns gleich in den Innenhof, der zur Küche umfunktioniert wird und schauen beim Kochen zu. Es stösst auf ein grosses Erstaunen, dass auch ich als Mann dabei sein möchte. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>In den kommenden Wochen werde ich auf meinem Blog einen Einblick in das Reisetagebuch meiner Reise nach Tanzania vom Juni/Juli 2012 geben. Dazu versüssen einige mehr oder weniger gelungene Schnappschüsse die mehr oder weniger geistreichen Zeilen.</em></p>
<p>Nach unserem kleinen Ausflug an den Malawi-See kehren wir für zwei weitere Tage ins Hochland nach Mbeya zurück. Am ersten Abend sind wir zu Gast bei einer Freundin unserer Gastgeberin. Diese ist um die 40 Jahre alt, hat einige Kinder und betreut ausserdem weitere Kinder von nahen Verwandten. So ist es in Tanzania üblich, hat man ein festes Einkommen, das die Betreuung der Kinder garantiert. Der Empfang ist herzlich. Wir setzen uns gleich in den Innenhof, der zur Küche umfunktioniert wird und schauen beim Kochen zu. Es stösst auf ein grosses Erstaunen, dass auch ich als Mann dabei sein möchte – hier ist das Kochen reine Frauensache. Die Kinder amten derweil als Dienstboten: Sie bringen die gewünschten Zutaten aus der Küche. Später werden sie den Hof kehren müssen, weil Rüstabfälle und dergleichen direkt auf dem Boden landen. Mit sehr viel Öl und dem Fleisch, das bereits zwei Stunden durchgekocht wurde, damit alle Keime abgetötet worden sind, wird das Gericht zubereitet. Es gibt Pilau, gewürzten Reis. Eigentlich ist das ein Festtagsgericht, mit der finanziellen Beteiligung unserer Freundin gibt es das jetzt aber auch heute. Gegessen wird schliesslich sehr schnell – nachdem wir sehr lange darauf gewartet haben und uns unterdessen afrikanische TV-Serien zu Gemüte geführt haben – und hierarchisch getrennt: die Gäste in der Stube, die Kinder in der Küche. Es schmeckt vorzüglich. Danach ist der Besuch beendet – natürlich nicht ohne die obligate Begleitung auf dem Heimweg.</p>
<p><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/IMG_0797.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1925" alt="IMG_0797" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/IMG_0797-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a>    <a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/IMG_0806.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1923" alt="IMG_0806" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/IMG_0806-e1366707054713-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a>    <a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/IMG_0798.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1924" alt="IMG_0798" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/IMG_0798-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a></p>
<p>Wie gross Mbeya tatsächlich ist, erfahren wir am nächsten Tag, als wir uns anschicken, einen der umliegenden Hügel zu erklimmen. Ein Pilgerweg führt zu einem grossen weissen Holzkreuz. Vorbei an Eukalyptusbäumen und einigen wenigen Ziegen und Kühen erreichen wir die Anhöhe und geniessen die wunderbare Aussicht. Es erreicht uns eine spannende Soundglocke, die die vielfältigen Klänge der Stadt zum Ausdruck bingt – es klingt fast ein wenig nach Volksfest. Ansonsten fühlt man sich back in Switzerland: die Baumgrenze ist erreicht, man wähnt sich auf einer Schweizer Alp. Kuhglocken und vereinzelte Kirchenglocken verstärken diesen Eindruck. Der Muezzin oder die Muezzine, die zum Mittagsgebet rufen, holen uns dann aber sogleich in die ostafrikanische Realität zurück. Minarette gibt es auf schweizerischem Boden nur deren vier, von Muezzine kann erst recht keine Rede sein. Dem Lärmempfinden gewisser Schweizer und Schweizerinnen könnten Muezzine allerdings nur als bewusstseinserweiternde Therapie empfohlen werden.</p>
<div class='wb_fb_comment'><br/></div>]]></content:encoded>
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		<title>Globale Musik anno 2012</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Apr 2013 09:00:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannes Liechti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Musikzeitung]]></category>
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		<category><![CDATA[Protestkultur]]></category>
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		<category><![CDATA[Weltmusik 2.0]]></category>

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		<description><![CDATA[Buchrezension. Was geschieht, wenn ein Online-Magazin ein Buch herausgibt? Norient, das Berner Netzwerk für lokale und globale Sounds und Medienkultur, hat sich dieser Aufgabe gestellt und eine spannende musikalische Momentaufnahme unserer Welt vorgelegt. Die Herausgeber Theresa Beyer und Thomas Burkhalter bewegen sich darin irgendwo zwischen Wissenschaft, Journalismus und Blogkultur. Weder reiner Bildband noch Aufsatzsammlung oder Monographie ist das Buch alles zugleich: Reportagen, Analysen und Interviews wechseln sich mit Songtexten, Covers, Plakaten und Zitaten ab. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/outofabsurdity.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1911" alt="outofabsurdity" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/outofabsurdity.jpg" width="605" height="861" /></a>Was geschieht, wenn ein Online-Magazin ein Buch herausgibt? Norient, das Berner Netzwerk für lokale und globale Sounds und Medienkultur, hat sich dieser Aufgabe gestellt und mit «Out of the Absurdity of Life» eine spannende musikalische Momentaufnahme unserer Welt vorgelegt. Die Herausgeber Theresa Beyer und Thomas Burkhalter bewegen sich darin irgendwo zwischen Wissenschaft, Journalismus und Blogkultur. Weder reiner Bildband noch Aufsatzsammlung oder Monographie ist das Buch alles zugleich: Reportagen, wissenschaftliche Analysen und Interviews wechseln sich mit Songtexten, CD-Covers, Konzertplakaten und Zitatschnipseln ab, mal auf Deutsch, mal auf Englisch. Die reichhaltige Collage ist nicht nur grafisch mit Liebe zum Detail umgesetzt, sie bringt dem Leser und der Leserin auch neue, überraschende Zugänge zu den popkulturellen Musikphänomenen unserer Zeit. Gleichzeitig wird die Aufmachung dem Umstand gerecht, dass sich «Weltmusik 2.0» schon lange nicht mehr nur auf Klänge und Töne reduzieren lässt.</p>
<p><strong>Absurditäten der globalen Klanggegenwart</strong><br />
Vom kamerunischen Bikutsi Pop über den kolumbianischen Paartanz Cumbia und den syrischen New Wave Dabke bis hin zur schrillen Partymusik des Voodoohop in São Paolo: «Out of the Absurdity of Life» portraitiert Facetten und Absurditäten einer globalen Klanggegenwart, fernab der eurozentristischen Ausrichtung der 90er-Jahre. Das Buch geht der Frage nach, ob es einen speziellen Alpensound gibt, untersucht die Abwesenheit eines Soundtracks zur Occupy-Bewegung und zeichnet die kontroverse Geschichte der Musikethnologie nach. Es diskutiert provokative lateinamerikanische Kopulationstänze und liefert Einblicke in den globalen musikalischen Alltag. Weiter nimmt Norient die eigene – normalerweise übliche – Veröffentlichungsform kritisch unter die Lupe und thematisiert die post-kolonialen Problematiken der Blogkultur. Ganz analog bleibt das Buch nie und wird so zum eigentlichen YouTube-Guide. Was im Online-Magazin nicht ohne geht, ist auch bei der gedruckten Ausgabe eine wertvolle Ergänzung.</p>
<p><strong>Heterogenes Jahrbuch</strong><br />
Thomas Burkhalter beschreibt die «Weltmusik 2.0» als multi-lokale Pop-Avantgarde. Das Oszillieren der Musikstile zwischen Spass- und Protestkultur macht ein abschliessendes Urteil über Ernsthaftigkeit und Motivationen der Protagonisten oftmals unmöglich. Gerne würde man mehr solch präzise und überblickende Analysen lesen und man vermisst kurze Zusammenfassungen der wissenschaftlichen Aufsätze. Ansonsten ist «Out of the Absurdity of Life» aber ein gelungenes und heterogenes Jahrbuch für alle Musikophilen dieser Welt. Wer weiss, vielleicht wagt Norient auch 2013 wieder den lohnenswerten Sprung aus der Onlinewelt in die Druckmaschine? (4/5)</p>
<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/pNbHaszUe7k" height="315" width="560" allowfullscreen="" frameborder="0"></iframe></p>
<p><em>T</em><i>heresa Beyer und Thomas Burkhalter (Hrsg.), Out of the Absurdity of Life. Globale Musik, 328 S., CHF 36, Traversion, Deitingen 2012, ISBN 978-3-906012-03-2</i></p>
<p>&#8211;&gt; <a href="http://norient.com/de/academic/norientbook012/" target="_blank">Direkt zur Buch-Seite auf Norient.com</a> &lt;&#8211;</p>
<div class='wb_fb_comment'><br/></div>]]></content:encoded>
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		<title>Verlorene Expressivität</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Apr 2013 08:51:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannes Liechti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bern]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
		<category><![CDATA[Konzertkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Antonín Dvořák]]></category>
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		<category><![CDATA[Stabat Mater]]></category>
		<category><![CDATA[Symphonisches Orchester Zürich]]></category>
		<category><![CDATA[Valentin Johannes Gloor]]></category>

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		<description><![CDATA[Konzertkritik. 27. März 2013. Die Kammerchöre aus Bern und Aarau konnten mit einer Interpretation von Dvořáks Stabat Mater kaum Akzente setzen. Auch die Solisten und Solistinnen überzeugten nicht restlos. Besonders die Sopranistin Galyna Gavrylko stach heraus.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die Kammerchöre aus Bern und Aarau konnten mit einer Interpretation von Dvořáks Stabat Mater kaum Akzente setzen. Auch die Solisten und Solistinnen überzeugten nicht restlos. Besonders die Sopranistin Galyna Gavrylko stach heraus.</em></p>
<div id="attachment_1904" class="wp-caption aligncenter" style="width: 810px"><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/bernerkammerchoor.jpg"><img class="size-full wp-image-1904" alt="bernerkammerchoor" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/bernerkammerchoor.jpg" width="800" height="443" /></a><p class="wp-caption-text">Der Berner Kammerchor</p></div>
<p>Seit Jahrhunderten beschäftigen sich Komponisten mit der Vertonung der Leidensgeschichte Marias am Kreuze Jesu. Jenseits aller Epochengrenzen hat der lateinische Text eines Franziskanermönchs Musiker in seinen Bann gezogen. Eine der längsten Stabat Mater-Versionen schuf der Böhme Antonín Dvořák nach dem Tod von zwei Töchtern und einem Sohn. Das Werk changiert zwischen Empfindung tiefen Schmerzes und Bewunderung der Gottesmutter. Ein zutiefst expressives Stück Musik.</p>
<div id="attachment_1905" class="wp-caption alignleft" style="width: 293px"><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/dvorak.jpg"><img class="size-full wp-image-1905 " alt="Antonín Dvořák (1841-1904)" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/dvorak.jpg" width="283" height="377" /></a><p class="wp-caption-text">Antonín Dvořák (1841-1904)</p></div>
<p><strong>Glamuröse Sopranistin</strong><br />
Unter der Leitung von Jörg Ritter wagte sich der Berner Kammerchor am Mittwoch im Berner Münster gemeinsam mit dem Kammerchor Aarau und dem Symphonischen Orchester Zürich an das über 90 Minuten lange Werk, ohne aber einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Zu unentschlossen und zu inkonstant agierten die Musiker und Musikerinnen. Das Orchester spielte zu wenig variantenreich und besonders die Bläser hatten immer wieder mit Intonationsproblemen zu kämpfen. Auch die Solisten, denen Dvořák viel Präsenz zusprach, überzeugten nicht restlos. Neben der sowohl wegen ihres glamourösen Erscheinungsbildes als auch wegen ihrer beeindruckenden Stimmstärke alle Blicke auf sich ziehenden ukrainischen Sopranistin Galyna Gavrylko konnte nur Tenor Valentin Johannes Gloor bestehen. Die Altistin Marcellina van der Grinten wirkte dazwischen etwas verloren, obschon sie in der Arie »Inflammatus et accensus« eine sichere Leistung zeigte und die melodisch spannendsten Stellen des ansonsten mit nur wenigen Überraschungen aufwartenden Stückes schön zur Geltung brachte. Bariton Igor Morosow erweckte derweil einen wahrlich unmotivierten Eindruck und löste sich kaum je von den Noten, worunter die Verständlichkeit litt.</p>
<p><strong>Gewaltiges Finale</strong><br />
Eigentlich wäre zu einem brillanten Dvořákschen Stabat Mater alles vorhanden gewesen. Der wundervolle Männerchor im »Fac me vere«,  der schwierige aber meisterhaft ausgeführte Einsatz des Frauenchors auf den Silben »Sancta Mater« im vierten Satz. Die eindringlichen Fortissimopassagen des Chors im Trauermarsch »Eja mater«, rhythmische Prägnanz von Chor und Orchester im fünften Satz »Tui nati«. Oder aber das gewaltige Finale mit einer Amen-Doppelfuge, die an barocke Chöre erinnerte. Erst hier gelang es dem Dirigenten alle Beteiligten zu einem einzigen musizierenden Klangkörper zusammenzufügen und dem expressiven Charakter des Werks gerecht zu werden.</p>
<p><em><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2012/12/url.png"><img class="alignleft size-full wp-image-1651" alt="Bund" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2012/12/url.png" width="300" height="86" /></a>Dieser Artikel erschien in der <a href="http://www.derbund.ch/" target="_blank">Berner Tageszeitung «Der Bund»</a>, 30</em><em>. März 2013.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<div class='wb_fb_comment'><br/></div>]]></content:encoded>
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		<title>Die Bibel: einzigartig und verrückt</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Apr 2013 11:33:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannes Liechti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufbruch]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Religion und Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Exegese]]></category>
		<category><![CDATA[Jürgen Ebach]]></category>
		<category><![CDATA[Schrift-Stücke]]></category>

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		<description><![CDATA[Buchrezension. Wie kann ein Atheist gottesfürchtig sein? Wer sind »die Heiden«? Oder: Hat Gott eine Seele? In 67 kurzen und bunten Texten kommentiert der deutsche Alttestamentler Jürgen Ebach die Bibel. Ebach betreibt Bibelexegese, Kultur- und Sprachgeschichte zugleich und bettet das Alte Testament in seinen jüdischen Kontext ein. Der evangelische Theologe zeigt auf spannende Art und Weise, dass die Bibel nicht nur ein klassisches, sondern ein ebenso einzigartiges und verbindliches Buch ist und gleichzeitig auch verrückt und exzentrisch. ]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/044573346-neue-schrift-stuecke.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1895" alt="044573346-neue-schrift-stuecke" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/044573346-neue-schrift-stuecke.jpg" width="266" height="420" /></a>Jürgen Ebach<br />
<b>Neue Schrift-Stücke<br />
</b>Gütersloher Verlagshaus, 2012,<br />
288 S., CHF 28.50</p>
<p>Wie kann ein Atheist gottesfürchtig sein? Wer sind »die Heiden«? Oder: Hat Gott eine Seele? In 67 kurzen und bunten Texten kommentiert der deutsche Alttestamentler Jürgen Ebach die Bibel. Ebach betreibt Bibelexegese, Kultur- und Sprachgeschichte zugleich und bettet das Alte Testament in seinen jüdischen Kontext ein. Der evangelische Theologe zeigt auf spannende Art und Weise, dass die Bibel nicht nur ein klassisches, sondern ein ebenso einzigartiges und verbindliches Buch ist und gleichzeitig auch verrückt und exzentrisch. Dieser zweite Band der »Schrift-Stücke« richtet sich sowohl an Bibelkenner als auch an solche, welche die heilige Schrift noch für sich entdecken wollen und offenbart ernste und anregende, aber auch leichte und augenzwinkernde Passagen im Kontext des Buches der Bücher. (4/5)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.aufbruch.ch" target="_blank"><img title="logo_aufbruch_300_a" alt="" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2012/04/logo_aufbruch_300_a.gif" width="300" height="71" /></a></p>
<p><em>Dieser Rezension ist erschienen in der Zeitschrift <a title="Aufbruch, Zeitschrift für Religion und Gesellschaft" href="http://www.aufbruch.ch" target="_blank">Aufbruch</a> Nr. 196, 13. März 2013</em>.</p>
<div class='wb_fb_comment'><br/></div>]]></content:encoded>
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		<title>Keine Einmischung in Detailfragen</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Apr 2013 11:26:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannes Liechti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufbruch]]></category>
		<category><![CDATA[Religion und Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Béatrice Acklin Zimmermann]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagsallianz]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagsarbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Nachgefragt. Die Sonntagsallianz, der auch die beiden grossen Landeskirchen angehören, hat das Referendum gegen die Ausweitung der Nacht- und Sonntagsarbeit ergriffen. Die Theologin Béatrice Acklin Zimmermann kritisiert das kirchliche Engagement scharf]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die Sonntagsallianz, der auch die beiden grossen Landeskirchen angehören, hat das Referendum gegen die Ausweitung der Nacht- und Sonntagsarbeit ergriffen. Die Theologin Béatrice Acklin Zimmermann kritisiert das kirchliche Engagement scharf</em></p>
<div id="attachment_1884" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/WidmerSchlumpf-62.jpg"><img class="size-medium wp-image-1884" alt="Béatrice Acklin-Zimmermann ist Leiterin des Studienbereichs Religion, Theologie und Philosophie der Paulus-Akademie Zürich und Privatdozentin für Systematische Theologie an der Universität Freiburg. Sie ist Vertreterin der FDP im Gemeindeparlaments der Stadt Freiburg." src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/WidmerSchlumpf-62-300x200.jpg" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text"><strong>Béatrice Acklin-Zimmermann</strong><br />ist Leiterin des Studienbereichs Religion, Theologie und Philosophie der Paulus-Akademie Zürich und Privatdozentin für Systematische Theologie an der Universität Freiburg. Sie ist Vertreterin der FDP im Gemeindeparlaments der Stadt Freiburg.</p></div>
<p><b>? Das Parlament beschloss vergangenen Dezember, dass in Tankstellenshops künftig an sieben Tagen pro Woche rund um die Uhr das gesamte Sortiment verkauft werden darf. Weshalb zeigen Sie kein Verständnis für die kirchliche Kritik an diesem Entscheid?<br />
</b><strong>!</strong> Hier geht es um ein Detail der Tagespolitik, das in keiner Art und Weise weltbewegend ist, und nicht um eine radikale Liberalisierung der Öffnungszeiten. Das wurde in der Debatte häufig verwechselt. Die Kirchen sollten sich nicht zu allen möglichen und unmöglichen tagespolitischen Detailfragen äussern. Sonst laufen sie Gefahr, auf eine Stufe mit Interessensvertretungen wie Gewerkschaften oder Parteien gestellt zu werden. Der Kirche gehören aber Menschen aller sozialen und politischen Richtungen an.</p>
<p><b>? Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund und die Bischofskonferenz äussern sich seit den 80er-Jahren zum Thema «freier Sonntag».<br />
</b><strong>! </strong>Wenn schon, sollten sich die Kirchen dann in die Diskussion einschalten, wenn es tatsächlich um eine radikale Liberalisierung der Öffnungszeiten geht. Zu behaupten, die Ausweitung des Angebots in den Tankstellenshops laufe auf ein »Burnout der Gesellschaft« hinaus, scheint mir masslos übertrieben. Im Übrigen müssten sich die Kirchen ehrlicherweise fragen, ob sie nicht auch selber, beispielsweise in Wallfahrtsorten, von der Sonntagsarbeit profitieren.</p>
<p><b>? Die Gegner sehen die Lockerung des Arbeitsrechts als kleiner Schritt einer schleichenden Aushöhlung des Sonntags. Prompt reichte die GLP im Dezember einen weiteren Vorstoss ein, der die Ausdehnung der Bestimmungen auf alle Quartierläden forderte.<br />
</b><strong>! </strong>Das Argument der Salami-Taktik kann man in jeder politischen Diskussion bringen. Wenn man nun nachts und sonntags auch Tiefkühlpizzen kaufen darf, kommt das noch lange keiner Aufhebung der Sonntagsruhe gleich. Ich vermute, dass sich einige kirchliche Exponenten, nicht gründlich genug mit dem Thema auseinandergesetzt haben.</p>
<p><b>? Die Kirche soll sich nicht mehr in schleichende Prozesse einmischen?<br />
</b><strong>! </strong>Wegen ihres Verkündigungsauftrags muss sich die Kirche in gesellschaftliche Diskussionen einbringen. Grundsätzlich sollte sie sich aber davor hüten, Abstimmungsparolen herauszugeben. Die Zeiten sind vorbei, als die Kirchenoberen vorgegeben haben, wie ihre Schäfchen abstimmen sollen. Jede Christin und jeder Christ ist mündig genug, sich eine eigene Meinung zu bilden. Die Kirchen täten gut daran, dabei Hilfestellungen anzubieten und zum kritischen Nachdenken anzuregen, anstatt pro/kontra-Haltungen einzunehmen.</p>
<div id="attachment_1885" class="wp-caption aligncenter" style="width: 360px"><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/Nein_24h_Arbeitstag_dt_rot_350px.png"><img class="size-full wp-image-1885" alt="Referendumsparole der Sonntagsallianz" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/04/Nein_24h_Arbeitstag_dt_rot_350px.png" width="350" height="159" /></a><p class="wp-caption-text">Referendumsparole der Sonntagsallianz</p></div>
<p><b>? Wo bleibt dann der prophetische Auftrag der Kirche? Propheten haben pointierte Positionen vertreten und nicht bloss Entscheidungshilfen bereitgestellt.<br />
</b><strong>! </strong>Also bitte, der prophetische Auftrag der Kirche erschöpft sich doch nicht in einer Rezeptanleitung, ob man für oder gegen die Erweiterung des Sortiments in den Tankstellen ist. Es gibt dagegen ethisch brisante Fragen, wo die Kirche Stellung beziehen muss. Etwa dort, wo die Ausübung der Religionsfreiheit gefährdet ist, man denke an die Anti-Minarettinitiative.</p>
<p><b>? Inwiefern entspricht Ihre Position den parteipolitischen Interessen der FDP, die Sie im Freiburger Stadtparlament vertreten?<br />
</b><strong>! </strong>Im Stadtparlament behandeln wir ausschliesslich lokale Geschäfte. Diese Diskussion ist aber national lanciert worden und hat in der konkreten Lokalpolitik nichts verloren.</p>
<p>Das Referendum der Sonntagsallianz ist mitlerweile zustande gekommen. Weitere Informationen: <a href="http://www.sonntagsallianz.ch" target="_blank">www.sonntagsallianz.ch</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.aufbruch.ch" target="_blank"><img title="logo_aufbruch_300_a" alt="" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2012/04/logo_aufbruch_300_a.gif" width="300" height="71" /></a></p>
<p><em>Dieser Artikel ist erschienen in der Zeitschrift <a title="Aufbruch, Zeitschrift für Religion und Gesellschaft" href="http://www.aufbruch.ch" target="_blank">Aufbruch</a> Nr. 196, 13. März 2013</em></p>
<div class='wb_fb_comment'><br/></div>]]></content:encoded>
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		<title>Eine opernhafte Messe</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Mar 2013 13:30:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannes Liechti</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
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		<description><![CDATA[Konzertkritik. 8. März 2013. Der Berner Orpheuschor und Dirigent Rudolf Rychard liessen sich zu einem glanzvollen Rossini-Konzert hinreissen und verwandelten den Chorraum der Französischen Kirche in Bern kurzzeitig in eine Opernbühne. Auch die Solisten brillierten.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>Der Berner Orpheuschor und Dirigent Rudolf Rychard liessen sich zu einem glanzvollen Rossini-Konzert hinreissen und verwandelten den Chorraum der Französischen Kirche in Bern kurzzeitig in eine Opernbühne. Auch die Solisten brillierten.</i></p>
<div id="attachment_1872" class="wp-caption aligncenter" style="width: 810px"><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/orpheuschor.jpg"><img class="size-full wp-image-1872" alt="orpheuschor" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/orpheuschor.jpg" width="800" height="503" /></a><p class="wp-caption-text">Der Orpheus Chor unter der Leitung von Rudolf Rychard</p></div>
<p>Ein aussergewöhnliches Werk, diese »Petite Messe Solennelle«. Der für seine Opern bekannte Gioacchino Rossini schuf es zur Einweihung einer Pariser Privatkapelle. Um dem knappen Platz gerecht zu werden, wählte er die unübliche Besetzung Klavier, Harmonium, Solistenquartett und kleines Vokalensemble. Zu hören ist die Messe heute aber leider meist in der Fassung für Orchester.</p>
<p><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/Rossini-Orpheus.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1873" alt="Rossini-Orpheus" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/Rossini-Orpheus-211x300.jpg" width="211" height="300" /></a><strong>Volksmusikartige Klänge</strong><br />
Nicht so vergangenen Freitagabend in Bern. Ganz wie zu Rossinis Zeiten war es zwar auch in der Französischen Kirche nicht: Statt einem zwölfköpfigen Vokalensemble sangen die beinahe hundert Sänger und Sängerinnen des Orpheuschors unter der Leitung von Rudolf Rychard. Dem intimen Charakter des Werks tat das keinen Abbruch, im Gegenteil: Bereits zu Beginn gestaltete der Chor im »Kyrie« ein wunderschönes Pianissimo und liess das in einem Kirchenraum selten gehörte Zusammenspiel von Harmonium und Klavier prächtig entfalten. Überraschende, teils fast volksmusikartige Klänge offenbarten sich dem Publikum. Dass Rossini normalerweise für die Bühne und nicht für die Kapelle zu komponieren pflegte, ist gerade in den vom italienischen Belcanto geprägten Solopartien nicht zu überhören. Es überrascht daher kaum, dass das hochkarätige Solistenquartett mit vier Opernsänger und -sängerinnen bestückt war. Eine gute Wahl: Anne-Florence Marbot (Sopran), Susanne Gritschneder (Alt), Andries Cloete (Tenor) und Robin Adams (Bariton) brillierten in den anspruchsvollen Solopartien. So etwa im »Gloria« oder im Alt-Sopran-Duett »Qui tollis«.</p>
<p><strong>Höchstleistungs-Chor</strong><br />
Angestachelt von den Solisten, schwang sich der Chor zu Höchstleistungen empor. Solch klare Verständlichkeit und präzise Absprachen sind selten gehört; die nicht wenig Mut erfordernden Einsätze zeugen von Fleiss im Vorfeld. Unvermittelt vermochte sich der Chor gar noch zu steigern. Den Schluss der rund eineinhalb Stunden dauernden Messe sang er mit Gewinn auswendig: Besonders die Präsenz der zuvor etwas verlorenen Männerstimmen steigerte sich merklich. Schliesslich zeigte auch Pianist Armin Waschke eine glanzvolle und sichere Interpretation. Jürg Lietha am Harmonium spielte derweil zwar etwas zurückhaltend, aber dennoch mit viel Gefühl. Schade, dass er das instrumentale »Offertorium« dem Klavier überliess. Das lag wohl daran, dass der Organist kurzfristig für den erkrankten Jürg Brunner einspringen musste.</p>
<p><em><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2012/12/url.png"><img class="alignleft size-full wp-image-1651" alt="Bund" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2012/12/url.png" width="300" height="86" /></a>Dieser Artikel erschien in einer gekürzten Fassung in der <a href="http://www.derbund.ch/" target="_blank">Berner Tageszeitung «Der Bund»</a>, </em><em>11. März 2013.</em></p>
<div class='wb_fb_comment'><br/></div>]]></content:encoded>
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		<title>Afrika-Reisetagebuch IV:Matema Beach</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Mar 2013 08:47:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannes Liechti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reiseberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Malawisee]]></category>
		<category><![CDATA[Matema Beach]]></category>
		<category><![CDATA[Nyassasee]]></category>

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		<description><![CDATA[Reisebericht. Nächster Programmpunkt ist ein Ausflug an den Malawisee – offiziell Nyassasee, genauer nach Matema Beach ganz am nördlichen Ende des langgezogenen Sees. Dieser befindet sich südlich von Mbeya am Fusse der dahinter liegenden Hügelkette. Der Malawisee ist der neuntgrösste See der Welt und zusammen mit den Hügeln Resultat des Rift Valleys – ein geographisches Phänomen tektonischer Plattenverschiebung. Hier liegt auch – wie es der Name des Sees vermuten lässt – die Grenze zum Nachbarland Malawi.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>In den kommenden Wochen werde ich auf meinem Blog einen Einblick in das Reisetagebuch meiner Reise nach Tanzania vom Juni/Juli 2012 geben. Dazu versüssen einige mehr oder weniger gelungene Schnappschüsse die mehr oder weniger geistreichen Zeilen.</em></p>
<p>Nächster Programmpunkt ist ein Ausflug an den Malawisee – offiziell Nyassasee, genauer nach Matema Beach ganz am nördlichen Ende des langgezogenen Sees. Dieser befindet sich südlich von Mbeya am Fusse der dahinter liegenden Hügelkette. Der Malawisee ist der neuntgrösste See der Welt und zusammen mit den Hügeln Resultat des <em>Great </em><em>Rift Valleys</em> – ein geographisches Phänomen tektonischer Plattenverschiebung. Hier liegt auch – wie es der Name des Sees vermuten lässt – die Grenze zum Nachbarland Malawi.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1862" alt="lake-malawi" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/lake-malawi.gif" width="370" height="370" /></p>
<p>Die Hinreise stellt sich als regelrechtes Abenteuer heraus, Afrika live: Start ist natürlich einmal mehr frühmorgens. So richtig los fährt der Bus (etwas grösser als die DallaDalla-Taxis) jedoch erst, als er auch wirklich proppevoll ist. Für die ersten paar Kilometer brauchen wir deshalb gut eine Stunde. Der Weg führt alsbald durch die wunderbare Landschaft des Berglandes, durch üppige fast tropische Vegetation – zeitweise regnet es gar –, vorbei an einsamen aber belebten Dörfern. Plötzlich aber ist zu unser aller Überraschung Schluss: Der Busfahrer will nicht mehr weiterfahren, zu wenig Kundschaft würde für die Weiterfahrt noch in seinem Bus verbleiben. Wir sind gezwungen, umzusteigen. Unsere Freundin konnte für den nächsten Bus glücklicherweise einen Preisnachlass aushandeln. Nach einer weiteren Pause dann das wahre Afrika: Nächstes Vehikel ist ein winziger Bus, der mit 23 Personen übervoll war, die letzten Fahrgäste mussten ihren Oberkörper aus dem Fenster halten, weil dafür innen kein Platz mehr war. Der Busfahrer meinte lakonisch, wir hätten Glück, normalerweise sei der Wagen noch voller. Wie das gehen soll, können wir uns nicht vorstellen. Mit unseren Körpergrössen können wir kaum sitzen, glücklicherweise sind die meisten Einheimischen kleiner als wir.</p>
<p><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0670.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1850" alt="IMG_0670" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0670-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a>    <a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0668.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1849" alt="IMG_0668" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0668-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a></p>
<p>Als ob dem noch nicht genug war: Die letzten 40 Kilometer bis Matema am Nyassasee legten wir auf einer von Schlaglöchern übersäte Staubpiste zurück. Die Devise lautete Augen zu und durch. Doch plötzlich – Gott sei dank früher als geplant – war auch dieser Spass zu Ende. Wiederum hiess es umsteigen, weil zu wenig Passagiere im Bus verblieben wären. Weiter ging es – und jetzt bekamen wir die ländliche Umgebung vollends zu spüren – stehend auf der Ladefläche eines Lastwagen. Der Transporter fungierte gleichzeitig als Lieferwagen und Postbote für die zahlreichen, winzigen Dörfer links und rechts der Piste, versteckt in einem relativ dichten Wald aus Bananen-, Kakao- und anderen Bäumen. Auf der Ladefläche drängen sich Frauen mit auf den Rücken gebundenen Kindern, die seelenruhig schlafen. Ein anderes Kind weinte plötzlich jämmerlich, als ich mit der Kamera die für uns keineswegs alltägliche Situation festhalten wollte. Die Kombination von einem ungewohnten technischen Gerät und einem Weissen war wohl des Guten zu viel. Nach sechs Stunden Reise kamen wir dann endlich in Matema an – zurückgelegt haben wir laut Google Maps knapp 140 Kilometer. Was sich später herausstellt: Die Strapazen sind nicht umsonst gewesen.</p>
<p><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0790.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1859" alt="IMG_0790" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0790-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a>    <a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0766-e1363162574288.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1844" alt="IMG_0766" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0766-e1363162574288-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a>    <a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0687.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1845" alt="IMG_0687" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0687-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a></p>
<p>Matema ist ein kleines Paradies. Der Malawisee ist so gross, dass er wie ein Meer erscheint. Palmen, Sandstrand und Wellen (am dritten Tag wird es sogar etwas stürmisch und die Wellen wachsen zu einer beachtliche Grösse an), was will man mehr. Der Name Matema-Beach ist Programm. Der Bus hält an der Hauptkreuzung des Dorfes, dem Ende der Strasse. Gegen rechts erstreckt sich das Spital und daran anschliessend drei touristische Hotelanlagen. Wir schlafen in der ersten und billigsten, dem <em>Matema Beach View</em>, geführt von der lutherischen Kirche des Landes. Das ist typisch für die Kirchen Tanzanias: Um zu Geldmitteln zu kommen – Kirchensteuern wie bei uns gibt es wohl keine –, unterhalten sie Projekte dieser Art. Wir schlafen in einem kleinen Bungalow, mitten im Sandstrand, 30 Meter vom Ufer des Sees entfernt. Unsere Hütte heisst «Lindholm», eine andere «Gertrude&#8217;s Cottage». Zwei Tage lang scheinen wir die einzigen Gäste zu sein. Fast ein wenig gruselig wirkt die ausgestorbene Anlage. Es sei nicht Saison, um Weihnachten, Ostern oder später im Jahr, sei hier alles voll mit weissen NGO-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen (die natürlich mit dem eigenen Land Rover anreisen und nicht wie wir mit den einheimischen Transportmitteln und die sich auch nie ins Dorf, links der Kreuzung, begeben). Es wäre hier noch einiges touristisches Potential auszuschöpfen – wir fühlen uns jedenfalls wie im Strandurlaub aus dem Reiseprospekt.</p>
<p><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0722.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1854" alt="IMG_0722" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0722-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a>   <a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0720.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1853" alt="IMG_0720" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0720-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a>    <a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0767.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1846" alt="IMG_0767" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0767-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a></p>
<p>Links der Kreuzung geht es ins Dorf. Es reihen sich kleine Geschäfte an Bars (von frühmorgens bis abends wird dort getrunken und das Dorf wird mit Musikvideos beschallt – einem für Tanzanias Jugend prägenden Vorbildmedium), Friseursalone an Restaurants (es gibt der Lage entsprechend viel Fisch und ansonsten alles wie gehabt: Reis und Spinat, meistens kalt) sowie eine Apotheke und ein lokales Hotel. Und auch der Billard-Tisch für die Dorfjugend fehlt nicht. Dazwischen findet ein reger Fahrradverkehr statt und ein dutzend streunende Hunde jagen durchs Dorf.</p>
<p><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0763.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1843" alt="IMG_0763" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0763-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a>    <a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0744.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1857" alt="IMG_0744" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0744-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a>    <a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0730.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1847" alt="IMG_0730" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0730-e1363164094877-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a></p>
<p>Auf einer kleinen Wanderung erkunden wir das östliche Ufer des Sees. Wir durchqueren kleine Dörfer und werden mit der armen Realität des ländlichen Tanzanias konfrontiert. Männer und Frauen haben keine Arbeit, sitzen herum und trinken – aus Langeweile – den selbstgebrannten Zuckerrohrschnaps. Überall wo wir auftauchen, werden wir sofort entdeckt und die Kinder schreien lauthals: «Wazungu, wazungu!» («Weisse, Weisse!») (Das geschieht in der Stadt viel weniger, man scheint sich dort weitaus stärker an den Anblick von Weissen gewöhnt zu haben.) Die Kinder folgen uns und betteln nach Bonbons oder Geld. Weisse sind hier aus Prinzip reich und Kinder fragen beinahe reflexartig nach etwas. Auch die Erwachsenen in den abgelegenen Häusern – was bei uns vielleicht als Weiler bezeichnet werden würde – schicken sich bei unserer Ankunft sogleich an, uns irgendetwas zu verkaufen. Tontöpfe oder am Strand gefundene, vom Wasser rundgewaschene, grüne Glasscherben. Wir haben kein Geld, dafür eine Fotokamera: «Make a Picture!» Die Kinder sind ganz aus dem Häuschen.</p>
<p><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0739.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1856" alt="IMG_0739" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0739-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a>    <a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0745.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1858" alt="IMG_0745" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0745-e1363164028985-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a>    <a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0747.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1842" alt="IMG_0747" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0747-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a></p>
<p>Mit unzähligen Kindern um die Ohren laufen wir dem Strand entlang, vorbei an Fischerbooten (ausgehöhlte Baumstämme) und zum Trocknen ausgelegtem Maniok. Das Gemüse erfüllt die Luft mit einem eigenartigen, leicht faulen Geruch. Wir sind froh, als wir den steilen Weg den Hang hinauf unter die Füsse nehmen. Waren die begleitenden Kinder anfangs noch süss, gehen sie einem ziemlich bald so richtig auf den Keks. Die Natur ist derweil wunderschön. Überall wunderschöne Schmetterlinge in scheinbar beliebig vielen Arten, die wir in Europa nur aus dem Schmetterlingshaus kennen. Üppig und tropisch. Das Klima macht uns zu schaffen, wir sind es uns nicht gewohnt und kommen schon bald gehörig ins Schwitzen und Atmen. Dafür geniessen wir die Aussicht auf den riesigen See umso mehr. Die kleinen Fischernussschalen gleiten lautlos vor sich hin. Dann plötzlich irgendwo aus dem Dickicht oder aus der Ferne von einem winzigen Boot «Wazungu»-Rufe. Offensichtlich sind wir also noch nicht zu tief in die Natur eingedrungen, um diesen zu entfliehen.</p>
<p><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0723.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1855" alt="IMG_0723" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0723-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a>    <a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0711.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1852" alt="IMG_0711" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0711-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a>    <a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0709.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1851" alt="IMG_0709" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0709-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a></p>
<p>Die Kommunikation gestaltet sich ohne Kisuahelikenntnisse schwierig bis unmöglich. Meist sind es Frauen in den Läden, hinter den Marktständen oder an der Feuerstelle vor den Restauranthütten, die für den Verkauf zuständig sind, oft aber kein Wort Englisch verstehen. Es übersetzen herbeistehende Männer, die sich in der Schule ein paar Brocken Englisch – n.b. die zweite offizielle Landessprache – aneignen konnten. Begrüsst wird man regelmässig mit der Frage «How are you?» Eine englische Verkürzung der ausgedehnten Kisuaheli-Begrüssungsformel, die sich für aussenstehende wie ein automatisch heruntergeleierter, nicht enden wollender Dialog anhört.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div class='wb_fb_comment'><br/></div>]]></content:encoded>
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		<title>Klangsuche im Kirchenraum</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Mar 2013 10:23:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannes Liechti</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Konzertkritik. 22. Februar 2013. Der Berner Oratorienchor und das Berner Sinfonieorchester nahmen sich Mozarts Requiem vor. Ein Unterfangen, das nach einigen Startschwierigkeiten doch noch zu einem guten Ende fand. Besonders die Solisten konnten mit ihrer etwas undankbaren Nebenrolle nicht überzeugen.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>Der Berner Oratorienchor und das Berner Sinfonieorchester nahmen sich Mozarts Requiem vor. Ein Unterfangen, das nach einigen Startschwierigkeiten doch noch zu einem guten Ende fand. Besonders die Solisten konnten mit ihrer etwas undankbaren Nebenrolle nicht überzeugen.</i></p>
<p><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/oratorienchor.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1829" alt="oratorienchor" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/oratorienchor.jpg" width="780" height="519" /></a></p>
<p>Was für ein Gedränge vor der Französischen Kirche letzten Freitagabend. Kein Wunder: Das Konzertprogramm versprach mit Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem ein allseits beliebtes Werk und mit dem Berner Oratorienchor und dem Berner Sinfonieorchester zwei etablierte Ensembles. Zum 150. Geburtstag wagte sich der Chor letztes Jahr an Robert Schumanns »Szenen aus Goethes Faust«, ein selten gespieltes und kontrovers diskutiertes Stück. Jetzt also wieder ein verlässlicher Kassenschlager, dessen Entstehungsumstände Musikliebhaber und –wissenschaftler seit dem Tode des Komponisten im Jahr 1791 umtreibt. Die Kirche ist derweil bis auf den letzten Platz besetzt.</p>
<p><b>Zurückhaltender Beginn<br />
</b>Als Vorspann wählte Chor- und Orchesterleiter Laurent Gendre drei höchst unterschiedliche Motetten aus dem Oeuvre Mozarts. «Misericordias Domini» überraschte mit einem aufregenden Wechsel zwischen ein- und mehrstimmigen Passagen, derweil sich «Alma Dei creatoris» als eigenartiges Stück Kirchenmusik entpuppte: Immer wieder musste der Chor kurze Solopartien unterbrechen. Ganz anders «Ave verum corpus», der Einstieg des Abends: eine wunderbar gefühlvolle Motette, in der keine Stimme hervorstach und ein schwebender, homogener Klang den Raum erfüllte. Der gedämpfte Beginn machte das Werk allerdings zu einem dramaturgisch schwierigen Anfang, der den Ausführenden nicht so richtig gelingen wollte. Besonders das Orchester agierte zu zurückhaltend.</p>
<div id="attachment_1830" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/mozart.jpg"><img class="size-medium wp-image-1830" alt="Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/03/mozart-240x300.jpg" width="240" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)</p></div>
<p><b>Höhepunkt am Tag des Zorns<br />
</b>Ähnlich zögerlich der erste Abschnitt des Requiems, das «Introitus». Während beim hoch motivierten Chor eine freudige Erwartung des ersten Requiem-Einsatzes spürbar war, machte das Orchester den Eindruck, als ob es Angst hätte, sich diesem epochalen Werk anzunähern. Wenig später im «Dies irae» wurde klar, weshalb die ersten Stücke so zaghaft ausfielen: Dirigent Gendre hielt sich so Steigungspotential für diesen wuchtigen Höhepunkt frei. Die eindringlichen Rufe nach dem «Tag des Zorns» liessen das Publikum förmlich erschaudern. Endlich schien das Orchester erwacht. Nun steigerten sich beide Ensembles nach und nach. Einen bleibenden Eindruck hinterliess das berühmte «Lacrimosa», der schwierige Choreinsatz im «Sanctus» oder das «Agnus Dei», wo Chor und Orchester klanglich eindrucksvoll zueinander fanden.</p>
<p><b>Solistisch besetzte Nebenrollen<br />
</b>Eine etwas undankbare Nebenrolle spielten die vier Solisten. In den spärlichen Einsätzen gelang es Ines Schaffer (Sopran), Astrid Pfarrer (Alt), Jakob Pilgram (Tenor) und Dominik Wörner (Bass) kaum, zu überzeugen. Wie Chor und Orchester war auch das Quartett auf der Suche nach einem gemeinsamen Klang, den es zum Schluss im «Benedictus» aber doch noch zu finden vermochte. Ende gut, alles gut.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2012/12/url.png"><img class="alignleft size-full wp-image-1651" alt="Bund" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2012/12/url.png" width="300" height="86" /></a></em></p>
<p><em>Dieser Artikel erschien in einer gekürzten Fassung in der <a href="http://www.derbund.ch/" target="_blank">Berner Tageszeitung «Der Bund»</a>, </em><em>25. Februar 2013.</em></p>
<div class='wb_fb_comment'><br/></div>]]></content:encoded>
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		<title>Eine Stadt voller Menschen, Kulturen und Klänge: Musik der Welt in Bern</title>
		<link>http://www.fretlessblog.ch/?p=1798</link>
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		<pubDate>Tue, 26 Feb 2013 13:39:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannes Liechti</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im vergangenen Jahr habe ich an der Universität Bern mein Studium in Musikwissenschaft und Geschichte abgeschlossen. Meine Masterarbeit habe ich dem kontroversen Themengebiet der «Weltmusik» gewidmet. Lesen Sie das Schlusswort.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Im vergangenen Jahr habe ich an der Universität Bern mein Studium in Musikwissenschaft und Geschichte abgeschlossen. Meine Masterarbeit habe ich dem kontroversen Themengebiet der «Weltmusik» gewidmet. Ausgangspunkt meiner Studie war die Idee, ein Bild des Phänomens Weltmusik im Kontext der Stadt Bern zu zeichnen. Es war Ziel, Strukturen, Orte und Netzwerke zu identifizieren, die für die Berner Weltmusik wichtig sind. Dazu gehörte eine breit angelegte Umfrage und die kritische Auseinandersetzung mit den Begriffen «Szene» und «Weltmusik». Lesen Sie das Schlusswort der Arbeit.</em></p>
<p><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/02/253906-DA200303241001_10.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1801" alt="253906-DA200303241001_10" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/02/253906-DA200303241001_10.jpg" width="680" height="378" /></a></p>
<blockquote><p>„The city is the entrepôt for the encounters with world music in a<br />
postmodern world. (&#8230;) In its original sense an entrepôt was a warehouse<br />
that served as a point for gathering goods that would be made<br />
available for sale. The encounters with world music in the city, too, are<br />
connected in complex ways to the marketing of world music.“ <a title="" href="#_ftn1">[1]</a></p></blockquote>
<p>Am Ende der Studie «Eine Stadt voller Menschen, Kulturen und Klänge: Musik der Welt in Bern» kehren wir zu dem bereits zu Beginn erwähnten Zitat des Musikethnologen Philip V. Bohlman zurück. Die Arbeit hat gezeigt, dass dieses Statement über die globalen Metropolen hinaus auch für kleinere Städte wie die Schweizerische Bundesstadt Bern seine Gültigkeit besitzt. Bern ist nicht nur ein Ort, an dem KünstlerInnen aus aller Welt Konzerte bestreiten – ein Aspekt, der in dieser Studie beiseitegelassen wurde – sondern ebenso eine Stadt, die eine Vielzahl an Stilen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt beheimatet. Es sind einerseits die MusikerInnen selbst, welche die Stile aus ihren Heimatländern mitgebracht und sich aus ganz unterschiedlichen Gründen in Bern niedergelassen haben. Andererseits sind es SchweizerInnen, die sich ausländischen Stilen widmen. Bern ist in der Tat eine Art Warenhaus für Begegnungen mit Weltmusik, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so erscheinen mag. Aus der grossen Menge von MusikerInnen und Gruppen – die vom Autor zusammengetragene Liste verzeichnet über 80 Namen, ohne Vollständigkeit zu beanspruchen – ragen hinsichtlich der Herkunft der Stile zwei Schwerpunktsregionen heraus: Osteuropa und Balkan sowie Lateinamerika. Besonders bei der Kategorie der Gruppen, die sich zum grossen Teil aus SchweizerInnen zusammensetzen, sind Stile aus der Region Osteuropa und Balkan beliebt. Die Umfrage «Musik der Welt in Bern» hat gezeigt, dass sich der Zugang zum Stil in mehr als der Hälfte der Fälle aus der eigenen Herkunft oder derjenigen eines Bandmitglieds ergeben hat.</p>
<p>Es ist in der vorliegenden Arbeit nicht gelungen, die Fülle an MusikerInnen aus dem Bereich Weltmusik analytisch in einer gemeinsamen Weltmusikszene zusammenzufassen. Einerseits fehlen dafür die zentralen Orte und Netzwerke, andererseits ist eine mögliche Berner Weltmusikszene kaum von einer allgemeinen Berner Musikszene zu trennen, dafür scheint die Stadt zu klein zu sein. Dennoch konnte gezeigt werden, dass die ExponentInnen der Berner Weltmusik auf vielschichtige Art und Weise und weit über Stilgrenzen hinaus untereinander verknüpft sind. Gerade für MusikerInnen, die sich vorwiegend in Migrantenszenen bewegen und wie der tamilische Perkussionist Apputhurai Shanmugathas wenig Ambitionen haben, aus diesen Kreisen auszubrechen, scheint es in Bern aber an Orten zu mangeln, an welchen sie sich präsentieren können. Daraus liesse sich eine kulturpolitische Forderung formulieren, die nach entsprechenden Orten und Netzwerken verlangt, die MigrantenmusikerInnen dazu ermutigen könnten, den Schritt in eine grössere Öffentlichkeit zu wagen.</p>
<div id="attachment_1000" class="wp-caption aligncenter" style="width: 586px"><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2012/04/anlar001.jpg"><img class="size-large wp-image-1000 " alt="An Lár (v.l.n.r.): Jürg Frey, Stefanie Aeschlimann, David Brühlmann, Matthias Hofer; Foto: Reto Camenisch" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2012/04/anlar001-1024x1024.jpg" width="576" height="576" /></a><p class="wp-caption-text">An Lár (Celtic Folk): Jürg Frey, Stefanie Aeschlimann, David Brühlmann, Matthias Hofer vlnr.; Foto: Reto Camenisch</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<h3>i        Der Einfluss der Stadt Bern</h3>
<p>Die Stadt Bern beeinflusst die Berner WeltmusikerInnen in einer sehr vielschichtigen und von Fall zu Fall unterschiedlichen Weise, wie die vorliegende Arbeit verdeutlichen konnte. Bei manchen ist es die finanzielle Unterstützung der Stadt, bei anderen das urbane Netzwerk an Kontakten oder das städtische kulturelle Angebot, das einen prägenden Einfluss auf die MusikerInnen ausübt. Im Falle von Samir Essahbis Raï-Musik führte die Emigration in die Schweiz gar zu einer Stilveränderung, indem der Marokkaner mangels orientalischer Instrumentalisten weniger Vierteltöne verwendete. Gleichzeitig ermöglicht die überschaubare Grösse der Stadt Bern Essahbi, sich eine Nische zu schaffen, da im Gegensatz zu Paris in Bern keine Konkurrenz vorhanden ist. Bei den Songs der Berner Celtic-Folk Gruppe <i>An Lár</i> findet die Stadt ihren Niederschlag direkt in den Songtexten, die vor dem Hintergrund des Berner Erfahrungshorizonts geschrieben werden. Titel von Instrumentalstücken wie «Bümpliz Süd» oder «Länggastur» verweisen zudem auf den städtischen Raum als omnipräsente Inspirationsquelle. Weniger eindeutig konnte der bernische Einfluss bei jenen Musikern und Gruppen nachgewiesen werden, die in enger Verbindung mit Migrantenszenen stehen. Sowohl der kroatische A capella-Chor <i>Chorus Croaticus </i>als auch der tamilische Perkussionist Apputhurai Shanmugathas bewegen sich häufig – der <i>Chorus Croaticus </i>auch darüber hinaus – innerhalb ihrer relativ geschlossenen Diasporagemeinschaften, die sich über die gesamte Schweiz erstrecken. Durch die räumliche Distanz zur Ursprungskultur des Musikstils entstehen einerseits eine Reihe erläuterter musikpraktischer Probleme, andererseits aber auch Chancen. Eine solche bietet sich zum Beispiel dem <i>Chorus Croaticus</i>, dem es in Bern gelingt, einen ursprünglicheren, traditionelleren Klapa-Stil zu pflegen, als dies in der kroatischen Heimat gegenwärtig getan wird.</p>
<p>Wiederholt wurden auch negative Einflüsse der Stadt festgestellt, namentlich die Thematik der Lärmbelästigung. Gleich mehrere Musiker haben diese Problematik im Fragebogen oder im Gespräch mit dem Autor angesprochen. Häufige Lärmklagen verunmöglichen vor allem PerkussionistInnen, in ihren Privatwohnungen zu üben. Stattdessen sind sie auf geeignete Proberäume angewiesen, deren Suche sich schwierig erweist und mit finanziellem Aufwand verbunden ist. Da ausschliesslich MusikerInnen mit Migrationshintergrund diesen Aspekt erwähnten, ist die These naheliegend, dass es besonders für MigrantenmusikerInnen schwierig ist, Probelokale zu finden und dass besonders diese MusikerInnen unter der tiefen Toleranzgrenze der Berner Bevölkerung für «Lärm» leiden. Auch hier wäre die Politik gefordert, entsprechende Infrastrukturen in einem möglicherweise noch grösseren Umfang bereitzustellen.</p>
<div id="attachment_1804" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/02/choruscroaticus.gif"><img class="size-full wp-image-1804" alt="choruscroaticus" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/02/choruscroaticus.gif" width="600" height="330" /></a><p class="wp-caption-text">Der Chorus Croaticus (Klapa)</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<h3>ii      Austausch mit der Mutterkultur</h3>
<p>Berns Weltmusik steht in vielfältigem Austausch mit den Ursprungskulturen der jeweiligen Stile. Alle vier untersuchten Beispiele haben dies verdeutlicht. Der Austausch findet sogar dann statt, wenn es sich wie bei <i>An Lár</i> um eine rein schweizerische Gruppe handelt. Die Mitglieder der Irish- und Celtic-Folk Gruppe sind vor allem durch Irland-Reisen zu ihrem Stil gestossen und durch den Kontakt mit irischen Musikern nachhaltig geprägt worden. Samir Essahbi landete durch seine Kollaboration mit den Berner Rappern Greis und Baze in Marokko einen Chart-Hit und der <i>Chorus Croaticus</i> ist bis heute die einzige ausländische Klapa-Formation geblieben, die am «Klapa-Mekka», dem Festival in Omi<em>š</em>, auftreten konnte. 2008 wurde der Chor von einer grossen kroatischen Tageszeitung zur populärsten Gesangsformation der kroatischen Diaspora gewählt. Und schliesslich ist auch Apputhurai Shanmugathas auf Kontakte zu indischen und sri-lankischen Musikern angewiesen, um an traditionelle Instrumente zu gelangen oder um das eigene musikalische Können zu verbessern. Das Beispiel des marokkanischen Sängers und Perkussionisten Samir Essahbi hat jedoch ebenso gezeigt, wie aufwändig und kräfteraubend es ist, solche Kontakte über längere Zeit aufrecht zu erhalten. Im Gegensatz zu den anderen Beispielen kann er sich in Bern auf keine marokkanische Diasporagemeinschaft stützen.</p>
<p>Es ist anzunehmen, dass auch bei vielen anderen, hier nicht erwähnten MusikerInnen aus dem Weltmusik-Bereich ähnliche Interaktionsmuster mit der Mutter- oder Ursprungskultur zu beobachten sind. In diesem von Bern aus gesponnenen, globalen Beziehungsnetz liegen immense Chancen. Die Kontakte können nicht nur für Kulturaustauschprojekte genutzt werden, sondern auch zu Auftrittsmöglichkeiten hier und dort führen. Zumindest in den vier besprochenen Beispielen scheint es aber, dass die Kontakte nur sehr individuell für die eigenen Projekte oder im privaten Rahmen genutzt werden. Hier liegt sicherlich noch grosses Entwicklungspotential, von dem etwa eine Förderstelle im Sinne der Genfer «Ateliers d’ethnomusicologie» profitieren könnte. Das geschilderte Beziehungsnetz ist zudem Ausdruck der Globalisierung, die der Musikethnologe Julio Mendívil als <i>„transnationale Vernetzung von AkteurInnen in der postmodernen Welt“</i> definiert. <a title="" href="#_ftn1">[2]</a></p>
<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/9E_RK27pJ7g" height="315" width="560" allowfullscreen="" frameborder="0" align="center"></iframe></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>iii     Interaktion mit dem Weltmusik-Label</h3>
<p>Doch die Berner WeltmusikerInnen interagieren nicht nur mit der Mutter- und Ursprungskultur ihrer Stile. Auch zum globalen Weltmusik-Markt und dem Weltmusik-Diskurs existieren wechselseitige Beziehungen, wie dies in dieser Studie festgestellt wurde und wie es Philipp V. Bohlman im eingangs erwähnten Zitat für die Begegnungen mit der Weltmusik beschreibt:</p>
<blockquote><p>“The encounters with world music in the city, too, are connected in complex ways to the marketing of world music.” <a title="" href="#_ftn2">[3]</a></p></blockquote>
<p>Viele MusikerInnen und Gruppen profitieren in irgendeiner Weise vom Weltmusik-Label. So konnte die Balkan Brass Gruppe <i>Traktorkestar</i> kurzzeitig die Führung der Itunes World-Music-Charts übernehmen. Samir Essahbi kam durch eine «World Music Special»-Sendung des Schweizer Radios DRS 3 zur Zusammenarbeit mit dem Rapper Greis und erreichte mit seiner Version des Mani Matter Songs «Sidi Abdel Assar» den zweiten Platz in der Kategorie «World Music» des Radio-Wettbewerbs «DRS 3 Pop Geschichten». Bei Samir Essahbi ist die Interaktion mit dem Weltmusik-Label besonders ausgeprägt: Der algerisch-marokkanische Popularmusikstil Raï gelangte durch den Weltmusik-Boom Ende der 80er-Jahre zu einer grossen Popularität und liess die Pariser Szene, in der auch Essahbi aktiv war, florieren. Das Weltmusik-Label schuf dem Raï auch hierzulande ein Publikum, auf das Essahbi später zurückgreifen konnte. Bei der Celtic-Folk Gruppe <i>An Lár </i>sind die Beziehungen zum Weltmusik-Label weniger direkt zu erkennen, da sich der Irish-Folk als Genre schon seit längerer Zeit fernab des Weltmusik-Labels etablieren konnte. Das Schlagwort Irish-Folk verhilft der Band regelmässig zu gut besuchten Konzerten. Bei Apputhurai Shanmugathas und beim kroatischen Gesangsensemble <i>Chorus Croaticus</i> ist derweil kaum eine Interaktion mit dem Weltmusik-Label zu beobachten. Solange sich die MusikerInnen ausschliesslich innerhalb von Migrantenszenen (Shanmugathas) oder begrenzter (Freundes)kreise (<i>Chorus Croaticus</i>) bewegen, scheinen sich wenige Berührungspunkte mit dem Weltmusik-Label zu ergeben. Ausserdem sind beide nicht auf einen kommerziellen Erfolg angewiesen, beziehungsweise streben sie einen solchen gar nicht an. Sollte dieser aber ins Auge gefasst werden, sind wechselseitige Beziehungen mit dem Weltmusik-Label vermutlich kaum länger zu verhindern.</p>
<p>Mit der ausführlich erläuterten Weltmusik-Definition wurden auch die Problematiken des Begriffs aufgezeigt. Die Reaktionen zur Umfrage «Musik der Welt» haben die ablehnende Haltung gegenüber dem Begriff vor allem auf der Ebene der EinzelmusikerInnen einmal mehr verdeutlicht. Der Weltmusik-Diskurs ist demnach von einer starken Skepsis geprägt. Nichtsdestotrotz votiert die vorliegende Studie zum Gebrauch des Labels unter den zwei formulierten Grundbedingungen:</p>
<p><em>a) Weltmusik ist in erster Linie kein Genrebegriff.</em><br />
<em>b) Weltmusik ist zwingend an einen lokalen Standpunkt geknüpft.</em></p>
<p>Bemerkung a) verhindert, dass MusikerInnen ausschliesslich als WeltmusikerInnen verstanden und in die Weltmusik-Schublade eingeordnet werden, was den meisten ProtagonistInnen nicht gerecht wird, wie etwa das Beispiel von Samir Essahbi zeigen konnte. Bedingung b) ruft in Erinnerung, dass für einen anderen lokalen Standpunkt eine neue Weltmusik-Definition notwendig ist. Mit diesen zwei Bedingungen bietet das Label Weltmusik Chancen, gerade unbekannte Stile an interessierte Zuhörer weiterzuvermitteln. In den vergangenen 25 Jahren konnte sich das Label mit all seinen Nachteilen etablieren und in einem öffentlichen Diskurs festsetzen. Das Label ist die einzige Möglichkeit die in der vorliegenden Arbeit behandelte Untersuchungsgruppe zusammenzufassen. Ihre Gemeinsamkeit ist nicht ein musikalischer Stil sondern die Tatsache, dass deren Protagonisten Musik aus anderen Regionen der Welt in Bern praktizieren. Das Label Weltmusik kann solchen MusikerInnen und Gruppen eine Plattform bieten, wenn die präziseren Genrebegriffe und Stilbezeichnungen dem potentiellen Publikum (noch) unbekannt sind. Das Beispiel <i>An Lár </i>zeigt, wie ausschlaggebend ein populäres Label wie Irish-Folk sein kann.</p>
<div id="attachment_1805" class="wp-caption aligncenter" style="width: 760px"><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/02/samir.jpg"><img class="size-full wp-image-1805" alt="Samir Essahbi, Raï" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/02/samir.jpg" width="750" height="499" /></a><p class="wp-caption-text">Samir Essahbi (Raï)</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<h3>iv     Weiterführende Forschungsaspekte</h3>
<p>Im Verlauf dieser Arbeit wurden zahlreiche weiterführende Forschungsansätze genannt. Diese Studie ist – wie eingangs angemerkt – als Pionierarbeit zu verstehen. Bei einer weiterführenden Arbeit müssten sowohl MigrantenmusikerInnen als auch die Ebene der Rezipientinnen durch Feldforschungen in Clubs und an Konzerten (was automatisch auch DJs berücksichtigen würde) stärker miteinbezogen werden. Das Konzertprogramm im Bereich Weltmusik wurde für die vorliegende Studie ebenso wenig beachtet, wie das Verständnis und die Darstellung des Weltmusik-Begriffs in den Medien, die für eine umfassendere Diskursanalyse zwingend untersucht werden müssten. Weitere Dimensionen könnten der Studie durch den Miteinbezug von in Bern entwickelten Instrumenten als Forschungsgegenstand – wie zum Beispiel dem Hang oder dem Burki Horn – und dem erwähnten zentralen Stellenwert der Strassenmusik verliehen werden. Ebenfalls nicht beachtet worden sind Gender-Aspekte oder etwa der Einfluss der unterschiedlichen sozialen Struktur der Migrantengruppen auf die musikalische Praxis. Schliesslich wäre es spannend, eine ähnliche Studie in einem zeitlichen Abstand von fünf oder zehn Jahren erneut durchzuführen und zu prüfen, inwiefern sich die Berner Weltmusik in dieser Zeitspanne verändert hat.</p>
<div>
<p>Die Arbeit «Eine Stadt voller Menschen, Kulturen und Klänge» konnte abschliessend nicht nur die Vielfalt der in Bern öffentlich vorhandenen Zugänge zur Musik der Welt aufzeigen, sondern auch verdeutlichen, wie wichtig Studien in diesem von der Forschung bislang nicht beachteten Untersuchungsfeld sein könnten.</p>
<p style="text-align: right;">Bern, Februar bis Mai 2012<br />
eingereicht an der Universität Bern<br />
bei Prof. Dr. Britta Sweers am 1. Juni 2012</p>
</div>
<div>
<p>&nbsp;</p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a>    Bohlman: <i>World Music</i>, S. 133, 136f.<br />
<a title="" href="#_ftnref1">[2]</a>    Vgl. Julio Mendívil: «Davon geht die Welt nicht unter» in: <i>WOZ</i>, 24. Mai 2012, S. 19.<br />
<a title="" href="#_ftnref2">[3]</a>    Bohlman: <i>World Music</i>, S. 136f.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right;"><em>Wer sich für die gesamte Studie interessiert, nehme bitte mit dem Autor direkten Kontakt auf.</em></p>
</div>
</div>
<div class='wb_fb_comment'><br/></div>]]></content:encoded>
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		<title>Die Bibel erobert die Bühne</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Feb 2013 10:02:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannes Liechti</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gleich drei Theaterhäuser widmen sich in der laufenden Spielzeit biblischen Stoffen. Die Aufführung des Mash-Up Musicals «Moses» in Basel hat gezeigt: eine tiefsinnige Auseinandersetzung mit der Textvorlage war das nicht. Eine kritische Betrachtung.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Gleich drei Theaterhäuser widmen sich in der laufenden Spielzeit biblischen Stoffen. Die Aufführung des Mash-Up Musicals «Moses» in Basel hat gezeigt: eine tiefsinnige Auseinandersetzung mit der Textvorlage war das nicht. Eine kritische Betrachtung.</em></p>
<div id="attachment_1787" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/02/moses.png"><img class="size-medium wp-image-1787" alt="Der Moses-Brunnen in Bern" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/02/moses-200x300.png" width="200" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Der Moses-Brunnen in Bern</p></div>
<p>Szenerie ist eine Müllkippe. Autoreifen, ein Staubsauger. Karton, Plastikflaschen, Container und Klappstühle. Es ist stickig und es dampft. Mitten drin fünf Obdachlose, die im Dreck ein Buch entdecken. Sie beginnen darin herumzublättern und zu lesen. Es ist nicht irgendein Buch. Nein, es ist die Bibel. Aufgeschlagen im zweiten Buch Moses, wird die Geschichte vom Auszug aus Ägypten erzählt.</p>
<p>Soweit der Beginn des Musicals «Moses» in der Inszenierung von Simon Solberg am Theater Basel. Doch dem ist noch nicht genug. Gerade führte das Zürcher Schauspielhaus die «Genesis» auf: Ein gewaltiger Sandhaufen und eine fünfstündige Bibelrezitation im Wortlaut. Im Frühling zieht St. Gallen nach und bringt wieder den Moses, erneut als Musical. Und schliesslich plant Iris Laufenberg, die Berner Schauspieldirektorin, 2014/15 eine ganze Spielzeit im Zeichen von Spiritualität, Glaube und Religion.</p>
<p>Es ist frappant: Im gesamten Kulturbereich häufen sich religiöse Themen. Letztes Jahr beschäftigten sich in Luzern, Salzburg und Stuttgart gleich drei renommierte Musikfestivals damit. Und auch das Kino ist bestimmt davon, wie etwa ein Blick in das Programm des letztjährigen Filmfestivals von Venedig vor Augen führt. Die Medien ringen um Erklärungsversuche: Ist es die «archaische Dramatik» der biblischen Texte oder sind es «versteckte religiöse Sehnsüchte», die die Kulturschaffenden dazu bewegen, sich diesen Stoffen anzunehmen, fragt sich die Zeitung «reformiert.». Das Schweizer Fernsehen ortet die Motivation derweil in der Suche nach «Themen, die seit Jahrtausenden die Menschen beherrschen.» Dass die Gründe – zumindest im Falle des Theaters – wohl tatsächlich eher in einem kulturhistorischen Interesse zu suchen sind, denn in einem unterdrückten spirituellen Verlangen oder in einer theologischen Auseinandersetzung, zeigt das Moses-Musical in Basel.</p>
<p><strong>Keine Neuinterpretation</strong><br />
Er habe die Bibel nicht gut gekannt und sei nicht religiös, erklärt Hauptdarsteller Johannes Schäfer: «Erst während den Probearbeiten habe ich allmählich bemerkt, was man aus diesen alten Texten lernen kann.» Ähnlich klingt es bei Regisseur Solberg: «Die Bibel ist ein spannendes Buch, weil da Probleme und Konflikte beschrieben werden, die bis heute wirken.» Für beide scheint sich der Zugang zum Text über die abendländische Tradition und deren Ursprünge zu ergeben und weniger über Glaubensfragen. Das Alte Testament wird zum klassischen Theaterstoff à la Goethe und Schiller mit denselben Grundfragen im Spannungsfeld zwischen Freiheit und Macht. Dass hierbei gerade die Geschichten des Alten Testaments ideal sind, liege auf der Hand, meint Harald Matern, Assistent an der theologischen Fakultät in Basel: «Im Alten Testament finden sich – vielmehr als im Neuen Testament – zahlreiche Geschichten mit stringenten Handlungssträngen und kontroversen Charakteren.»</p>
<p>Regisseur Solberg transferiert in seinem Stück den Exodus ins Heute und interpretiert ihn auf einer sozialkritischen Ebene. Die Hebräer sind die Randständigen und Migranten; der Pharao und «seine» Ägypter verkörpern das kapitalistische System, welches seine Opfer gnadenlos ausbeutet. «Das ist keine neue Interpretation», sagt Harald Matern. «In der Befreiungstheologie Lateinamerikas wurde diese Geschichte schon sehr oft im Blick auf ihr sozialkritisches Potential abgeklopft», fährt Matern fort. Solberg hat sich trotz Aktualisierung streng an die Vorlage gehalten: Gott befiehlt die Plagen unmittelbar, das Meer wird geteilt, die Israeliten stürzen sich zum Ende in einen blutigen Krieg gegen die Amalekiter. «Die Inszenierung lässt die bereits seit 150 Jahren andauernde historisch-kritische Bibelforschung ausser Acht», konstatiert der Theologe.</p>
<p>Die Arbeit mit der Thematik hat es den Schauspielern angetan. Moses-Darsteller Johannes Schäfer bezeichnet sich heute als «aufgeschlossener und offener» gegenüber der Bibel: «Es wäre schön, wenn mit dem Publikum Ähnliches passieren würde», ergänzt er. Sind biblische Stoffe auf der Bühne Türöffner zur verstärkten Auseinandersetzung mit dem Urtext? Oder: Benötigen wir in Zeiten der Religiös-Distanzierten (NFP 58-Studie) das Theater, um die Bibel wieder auf dem Müllhaufen zu entdecken? Harald Matern entgegnet: «Ich glaube nicht, dass sich das Publikum nach einem solchen Stück vermehrt mit der Bibel auseinandersetzen wird. Dafür bot das Musical zu wenige Überraschungen.»</p>
<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/KaS0jT3-V4M" height="315" width="560" allowfullscreen="" frameborder="0"></iframe></p>
<p><strong>Künstlerisch gelungene Aneignung</strong></p>
<div id="attachment_1788" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/02/matern.jpg"><img class="size-medium wp-image-1788" alt="Harald Matern, Basel" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/02/matern-200x300.jpg" width="200" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Harald Matern, Basel</p></div>
<p>Was der Basler Theologe bei der Moses-Inszenierung vermisste, waren neue Ansätze in der Textauslegung. Als Beispiel fügt er den Krieg der Israeliten gegen die Amalekiter an: «Muss das jedes Mal ein blutiger Kampf sein? Man hätte sich fragen können, ob die Israeliten sich nicht auf eine andere Art und Weise in Palästina angesiedelt haben. Durch Diplomatie etwa, oder durch langsame Integration. Das wären Möglichkeiten, den Text kreativ und zugleich näher an den vermutlichen historischen Gegebenheiten zu deuten.» Grundsätzlich stelle die Inszenierung keine echte Auseinandersetzung mit der Vorlage dar, meint Harald Matern: «Eher eine Aneignung. Und als solche aber künstlerisch durchaus gelungen.»</p>
<p>Im Fokus des Musicals steht ein junges Publikum. Die Co-Produktion mit dem Volkstheater München bezeichnet sich selbst als «Mash-Up Musical». Und tatsächlich ist das Stück ein bunter Mix aus akustischen und visuellen Verweisen in die Popkultur der Gegenwart von AC/DC über Star Wars bis Lady Gaga. Das wäre an sich kein Problem und sogar äusserst spannend. Doch nicht immer ist der Bezug mit der Textvorlage klar ersichtlich und oft bleiben die Zitate nur oberflächlich. Hier ein gelungenes Beispiel: Das Goldene Kalb wird von den abtrünnigen Israeliten zu einem stampfenden Electro-Song des französischen Duos Justice – eigentlich Jus†ice geschrieben – angebetet. Ein passender Vergleich: Die beiden DJs geben ihren Konzerten einen quasireligiösen Anstrich und stellen sich jeweils hinter ein riesiges, grell leuchtendes Kreuz. Ein Goldenes Kalb unserer Zeit?</p>
<p><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/02/justice.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1791" alt="justice" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/02/justice.jpg" width="600" height="397" /></a></p>
<p>In solchen leider viel zu seltenen, tiefgründigen Verweisen liegen die Stärken des Stücks und seiner Aktualisierung des alttestamentarischen Stoffes. Ansonsten bleiben in dem von zahlreichen Albernheiten durchzogenen Stück zu viele Fragen offen. Ein Hebräer mit sächsischem Akzent, ein drogenabhängiger Gott und die Verkündigung der Gebote per Quizshow. Ob eine solche Inszenierung das Interesse an der Bibel zu erwecken vermag, ist zu bezweifeln. Eines hat das Musical aber gezeigt: die Gefahr von charismatischen Führerfiguren. Nicht nur der Pharao, nein auch Moses selbst ist davor nicht gefeit. Am Ende wird er zum autoritären und fanatischen Anführer.</p>
<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/NTbpS5OWWaQ" height="315" width="560" allowfullscreen="" frameborder="0"></iframe></p>
<p><strong>Dienstherr im Himmel</strong><br />
Es bleibt die kritische Frage, aufgeworfen von den Schauspieler und Schauspielerinnen: «Haben wir nicht die ägyptischen Sklavenhalter gegen einen Dienstherren im Himmel eingetauscht?» «Eine berechtigte Kritik an einem gewissen Gottesbild», meint Harald Matern. Er gibt aber gleichzeitig zu bedenken: «Wie ernst und differenziert diese Kritik nach einem solchen über weite Strecken albernen Stück aufgenommen werden kann, ist fraglich.» Am Ende singen die Schauspieler gemeinsam ein Lied des jamaikanischen Reggaesängers Damian Marley, Sohn von Bob Marley, der seinerzeit mit dem Album «Exodus» die Hitparaden stürmte: «We got to keep on walkin’ on the road to Zion land.» Die Reise der Israeliten, der Randständigen und Migranten, die Suche nach dem Gelobten Land ist noch nicht zu Ende, sie geht weiter.</p>
<p>Die Auseinandersetzung mit der Bibel hat nun also die Theaterbühnen erreicht und der Basler Moses hat gezeigt: Es ergibt sich daraus lebendiger und vielfältiger Diskussionsstoff. Eine nächste Möglichkeit, den Faden wieder aufzunehmen, bietet sich schon bald im Theater St. Gallen. Der Ball liegt nun aber auch bei den Religionsgemeinschaften: Es liegt an ihnen, klar zu machen, dass die Bibel weit mehr ist, als das kulturelle Fundament der abendländischen Tradition.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/02/moses-10-gebote.jpg"><img class="size-medium wp-image-1793 alignnone" alt="moses-10-gebote" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2013/02/moses-10-gebote-300x165.jpg" width="300" height="165" /></a></p>
<p><a href="http://www.theatersg.ch/spielplan/moses-die-10-gebote" target="_blank">«Moses – Die 10 Gebote»</a> – Ein Musical von Michael Kunze und Dieter Falk am Theater St. Gallen.</p>
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<p><a href="http://www.aufbruch.ch" target="_blank"><img title="logo_aufbruch_300_a" alt="" src="http://www.fretlessblog.ch/wp-content/uploads/2012/04/logo_aufbruch_300_a.gif" width="300" height="71" /></a></p>
<p><em>Dieser Artikel ist in einer gekürzten Version erschienen in der Zeitschrift <a title="Aufbruch, Zeitschrift für Religion und Gesellschaft" href="http://www.aufbruch.ch" target="_blank">Aufbruch</a> Nr. 195, 31. Januar 2013</em></p>
<div class='wb_fb_comment'><br/></div>]]></content:encoded>
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